Siegel der Elisabethinnen Aachen
Schriftzug Schwestern der heiligen Elisabeth

Feste im Kirchenjahr

Advent und Weihnachten

Die Adventszeit ist für alle Christen die Zeit, in der wir uns erinnern, dass Gott der „zu-uns-Gekommene“ ist: er kam in Jesus Christus in die konkrete Weltzeit und in sein Volk, um uns zu erlösen. Er kommt täglich neu, klopft an und wartet, dass wir ihn einlassen. Er wird kommen am Jüngsten Tag, um die Lebenden und die Toten zu richten. Schon in den Schriften des Alten Bundes mit dem Volk Israel hatte Gott sich geoffenbart als der „Ich-bin-der-Ich-bin-da“. Dass Gott da ist, wird uns besonders eindrücklich vor Augen geführt durch die vielen Darstellungen des Weihnachtsgeschehens, die gläubige Christen gefunden haben.

Weihnachten

Besonders anschaulich hatte es der hl. Franziskus zum ersten Mal an Weihnachten 1223 in Greccio gefeiert. Mit einem lebendigen Kind, echtem Ochs und Esel, denn es war ihm unendlich wichtig, den Menschen, die zu ihm kamen, dieses Geheimnis verständlich zu machen. Eine, die dieses Mysterium zutiefst erkannt hat, ist die hl. Elisabeth. Als sie am 16.November 1231 im Sterben lag, verbrachte sie ihre letzten Stunden damit, aus dem Leben Jesu zu erzählen, wie sie es in der Bibel und der Verkündigung der Kirche sehen und verstehen gelernt hatte. Gegen Mitternacht bat sie die Umstehenden, ganz stille zu werden. Sie sagte: „Lasst uns über den Heiland sprechen und über das Christkind, denn Mitternacht ist nahe, als das holde Jesuskind geboren wurde.“ In der letzten Stunde ihres Sterbens tritt sie in die Stille der Heiligen Nacht ein. In der Nacht ihres Sterbens geht sie hinein in die Nacht des Lichtes. Wir können daraus lernen, wie tief sie die Worte und die Wirklichkeiten des Glaubens in sich hinein getrunken hatte, so dass sie nun ihre Worte und Sinne ganz ausfüllten. Wir können daraus lernen, auch unsere Zeit von der Geschichte des Glaubens prägen zu lassen. Für Elisabeth waren „die Stunden der Zeit nicht mehr Phasen im Ablauf der Gestirne, sondern Stunden, die erzählen von der Geschichte der Liebe Gottes mit uns.“ (Papst Benedikt XVI.) 

Fastnacht

Was – im Kloster feiern sie Karneval? Ja – wo denn sonst!

Es gibt kaum Feiertage, die so sehr in den christlichen Glauben gehören, wie „Karneval“ – denn sie bereiten die Tage der Fastenzeit vor, in denen es „carne vale“ – ohne Fleisch – oder wenigstens mit spürbarem Verzicht auf Ostern zugeht.

 Der hat am Besten sein Leben verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht!

Unser Verständnis von Feiern ist aber sicherlich ein anderes als eines, das sich vom Glauben losgelöst hat. Bei unserm „Fasteloovend-fiere“ geht es immer erst einmal darum, den Anderen eine Freude zu machen. Und das Lachen über sich selbst ist sicher die normalste Form der Demut, die es gibt. „Nobody is perfect“ :   



wer das weiß, kann dankbar sein Gott gegenüber, der Jedem gute Gaben und Talente geschenkt hat. Sie einzusetzen für den Nächsten, und dass jeder was zu lachen hat, dazu gibt es in diesen Tagen viel Gelegenheit.

So starten wir, wie ein Sportler vor dem entscheidenden Sprint, gut gelockert in die vorösterliche Bußzeit. Denn                                                                    „wir wollen alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens. Er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren.“ 
aus dem Brief an die Hebräer) 


Ostern

Das Kreuz Christi ist für einen Menschen, der sich Gott geweiht hat, die unmittelbarste Erfahrung der Liebe Gottes. Gerade hier offenbart sich die Schönheit und die Macht der Liebe Gottes in ihrer ganzen Fülle. Gerade in der vor-österlichen Bußzeit (der Fastenzeit) stellen wir uns diesem Geheimnis des Glaubens, um uns in neuer Treue dem Kreuz zu stellen, an die Liebe des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu glauben und aus ihr zu leben. Das Leben Gottes auf unserer Erde wurde genauso durchkreuzt wie das Leben unserer Nächsten und das eigene Leben. Aber er lässt uns nicht im Tod. Im Sterben mit Christus ersteht uns der Weg zum Leben.

„Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Diese Frohe Botschaft schallt seit dem ersten Ostermorgen durch die Welt. Für diese Hoffnung stehen wir gerade, aus ihr leben wir, darauf bauen wir. Um diese Botschaft weiter zu tragen in unsere Zeit und Welt, sind wir unterwegs. Jede Schwester kann und darf zu einem echten Zeichen Christi in der Welt werden, indem sie die Anwesenheit Gottes im Alltagsleben sichtbar macht. Darum klingt das österliche „Halleluja“ – „Lobt Gott!“ vom Ostertag zu jedem Sonntag hinüber und schallt wider, wo Christen aus dieser Botschaft beten und wirken. Vielleicht gehen wir den Glaubensweg manchmal auch für andere, immer gewiss, dass es um das Leben der Menschen geht: um ihr ganzes, erfülltes, vollendetes Leben. Ostern – das ist die lebendige Einladung Gottes, ihm zu vertrauen. Wir erleben diese Einladung, den Weg des Glaubens miteinander in der Gemeinschaft zu gehen, zu glauben, zu beten und anderen dazu zu verhelfen, damit sie Christus finden, der uns von sich sagen konnte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ 

Fronleichnam

Monstranz - diese ließ Mutter Apollonia 1624 aus ihrem persönlichen Schmuck fertigen

Es ist für uns als glaubende Menschen lebensnotwendig, Eucharistie zu feiern. Also: Gott zu loben, ihm zu danken und ihn zu bitten, selbst wenn wir uns klein und in der Gesellschaft als unbedeutende Minderheit vorkommen. Wie Christus auf seinem Weg zum Vater in die Welt und aus der Welt zum Vater grundsätzlich alle einbezogen hat, so sind wir Ordensschwestern aufgerufen, unseren christlichen Weg mit allen und für alle Menschen zu gehen. Ein Feiertag, an dem dies besonders zum Ausdruck kommt, ist das Fronleichnamsfest. Hier ziehen wir durch die Straßen unserer Stadt und bekennen den Glauben, dass Gott ganz nah unter uns lebt, jederzeit bereit, unseren Alltag zu durchdringen. Dieser Gang durch die Stadt lässt uns einschwingen in die Verbindung mit Jesus Christus und seiner Kirche. Im Anschauen der Hingabe Christi werden auch wir fähiger, uns zu verschenken. Vielleicht wird den Menschen, die sich mit dem Glauben schwer tun, nie deutlicher als während der Fronleichnamsprozession, dass es uns ein Bedürfnis ist, Christus nachzufolgen. Buchstäblich in seiner Spur gehen und – wenn uns Gott die Kraft dazu schenkt - unser Leben mit Jesus für das echte Heil, die „Heilung“ der Welt darzubringen. Begegnung mit Christus ist auf den Straßen der Städte und Dörfer, in den Kirchen und Klöstern, am Krankenbett und im stillen Gebet nicht nur Flehen um Hilfe. Es ist Danksagung, Lob, Anbetung, Betrachtung, Zuhören, Leidenschaft der Gefühle bis hin zu einer richtigen „Liebschaft“ der Herzen. Und diese Wirklichkeit führt uns untereinander zur Einheit: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, spricht Jesus. Aus der Einheit mit Christus muss die Einheit untereinander und der echte Dialog der Konfessionen und Religionen erwachsen.

Dass Mutter Apollonia all dies im Glauben erkannte, zeigt uns ihre Sorgfalt, mit der sie bei allem, was sie für die armen Kranken tat, auch Raum und Geräte für einen würdigen Gottesdienst bereitstellte. „Der Schmuck, den ich für die Monstranz beiseite gelegt habe, soll auch nur dafür verwendet werden!“ mahnt sie ausdrücklich. Diese Monstranz birgt bis heute an hohen Festtagen das Allerheiligste, Christus in der Gestalt des Brotes. An jedem Tag können wir Schwestern eine persönliche Zeit  der Anbetung des Allerheiligsten in unserer kleinen Anbetungskapelle widmen. Diese Kapelle wurde 1973 extra geschaffen, um die vielen Anliegen, die an uns herangetragen werden, eindringlich ins Gebet vor Gott zu bringen. Die Anbetung ist eine Zeit des Atemholens in Gott und des Austausches mit seinem Heiligen Geist. Wir alle nutzen die Gelegenheit oft und gern. Besonders unsere alten Schwestern, die nicht mehr im Dienst stehen, finden hier ihre Möglichkeit, am Schaffen und Wirken der Gemeinschaft teilzuhaben. 

Marienfeste

Madonna mit Kind

Alle Mitglieder der franziskanischen Familie verehren Maria, die Mutter Jesu, besonders als ihre Mutter, Freundin, als ihr Vorbild und ihre Fürsprecherin bei Gott. Es ist vielleicht typisch für uns Katholiken, dass sich die Anbetung Gottes auch ausdrücken will in der Verehrung für die Frau, die sich wie keine andere für Gottes Wort geöffnet hat. So durchziehen Marienfeste vom 1. Januar bis zum 8. Dezember in großer Vielfalt das Jahr und werfen immer neue Facetten auf das, was Gott in einem Menschen bewirken kann, der sich ihm hingibt.

Im Sommer 2003 hatten wir eine besondere Gelegenheit, unserer Marienfrömmigkeit Ausdruck zu verleihen. Zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, am 15. August, wurde uns eine Stele aus Stein geschenkt, mit einer Figur der Gottesmutter mit dem Kind Jesus. Unsere Schwestern nahmen in großer Freude die Anregung an, diese Stele im Innenhof des Mutterhauses zur Betrachtung der Größe Gottes und zum Gebet zu nutzen. Ihnen seien hier die Worte des hl. Franziskus angeboten, mit denen er die Gottesmutter grüßt:

Kräuterweihe am Tag der Aufnahme Mariens in den Himmelund Einweihung der Mariensäule
"Sei gegrüßt, Herrin, heilige Königin, heilige Gottesmutter Maria, du bist Jungfrau, zur Kirche gemacht und erwählt vom heiligsten Vater im Himmel, die er geweiht hat mit seinem heiligsten geliebten Sohn und dem heiligen Geiste, dem Tröster. In Maria war und ist alle Fülle der Gnade und jegliches Gut.

Sei gegrüßt, du sein Palast.
Sei gegrüßt, du sein Gezelt. 
Sei gegrüßt, du seine Wohnung.              
Sei gegrüßt, du sein Gewand.                   Sei gegerüßt, du seine Magd.
Sie gegrüßt, du seine Mutter.

Und seid gegrüßt, ihr heiligen Tugenden alle, die durch die Gnade und die Erleuchtung des Heiligen Geistes in die Herzen der Gläubigen eingegossen werden, um sie aus Ungläubigen zu Gott getreuen Menschen zu machen."