Siegel der Elisabethinnen Aachen
Schriftzug Schwestern der heiligen Elisabeth

Unsere Ordenspatrone –
Vorbilder gelebten Glaubens


I. Franziskus von Assisi

vom hl. Franziskus von Assisi stammt unsere Ordensregel

Mutter Apollonia und ihre ersten Schwestern setzten sich mit großer Entschiedenheit dafür ein, dass sie nach der Regel des Dritten Ordens des heiligen Franziskus leben durften. Warum wählten sie gerade diesen Heiligen aus? Ist denn das Leben des Franziskus von Assisi so besonders, dass es uns auch heute noch etwas zu sagen hat? Wir Schwestern der hl. Elisabeth geben viel auf das Vorbild uns die Fürbitte dieses Heiligen, der von seinen Zeitgenossen erst „der Verrückte“, später aber „der, der den Frieden hat“ genannt wurde.

Die entscheidende Wendung im Leben des hl. Franziskus brachte die Begegnung mit einem Aussätzigen vor den Mauern von Assisi. Wohlbehütet, in einem reichen Bürgerhaushalt aufgewachsen, erkannte er im Alter von etwa zwanzig Jahren, dass es Wichtigeres gab als nur Spaß zu haben. Als Jugendlicher war er das Idol der Jugend von Assisi. Mit seinen Freunden führte er ein flottes Leben. Der Reichtum seines Vaters und sein offenes Wesen schließen ihm alle Türen auf. Dann bricht ein Krieg aus, Franziskus gerät in Gefangenschaft und wird schwer krank. Nach seiner Gesundung zeigt sich, dass eine Veränderung in ihm vorgeht. Er sucht im Gebet nach einer Antwort Gottes auf die Fragen seines Lebens. Eines Tages hört er in der Kirche S. Damiano die Einladung des Gekreuzigten: „Franziskus, geh und stell mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist.“ Nun widmet er sich der Aussätzigenpflege und der Herstellung von Kirchen. Den Konflikt mit seinem Vater, der sich um seine Pläne und sein Geld betrogen sah, löst er radikal, indem er vor dem Bischof auf alles verzichtet. Zunächst erntete der ehemalige „König der Jugend“ nur Spott von seinen früheren Gefährten und der Bevölkerung. Aber bereits nach vier Jahren konnte er mit seinen ersten elf Brüdern nach Rom pilgern, um dort von Papst Innozenz III. die Bestätigung seiner Lebensform zu erhalten.

Franziskus möchte dem "Herrn Papst" gehorsam sein und erbittet die Erlaubnis, nach der neuverfaßten Regel leben zu dürfen.

Franziskus wollte das, was er aus dem Evangelium erkannt hatte, leben, im Einklang mit der Kirche. 1212 schließt sich ihm Klara, eine junge Adelige aus Assisi an. Damit nimmt der weibliche Zweig der franziskanischen Bewegung seinen Anfang, der Orden der Armen Frauen, der Klarissen. Auch viele Menschen, die weder Franziskaner noch Klarissen werden konnten, waren begeistert von der  franziskanischen Lebensform. Aus ihnen bildete sich der Dritte Orden des heiligen Franziskus. Franziskus und seine Brüder ziehen umher und verkündigen das Evangelium; in ganz Italien, dann im ganzen christlichen Abendland bis nach Marokko und Ägypten. 1219 predigt Franziskus vor dem Sultan. Zurückgekehrt nach Italien, unternimmt Franziskus in den folgenden Jahren ausgedehnte apostolische Wanderfahrten. 1221 wird eine größere Gruppe von Brüdern nach Deutschland ausgesandt. Einer der Brüder, Rodeger, kam 1223 nach Eisenach, wo er der geistliche Lehrmeister Elisabeths wurde.

sich ganz durchdingen lassen von der Liebe Gottes, das ist franziskanisches Leben.

Er lehrte sie, Keuschheit, Demut und Geduld zu wahren, das Gebet regelmäßig zu pflegen und sich den Werken der Barmherzigkeit zu widmen. Ebenfalls 1223 wird die endgültige Regel des Ordens vom Papst bestätigt. Auf dem Berg Alverna, den er bevorzugt zum Gebet nutzt, empfängt Franziskus am 17. September 1224 die Wundmale Christi. 1225 verfasst er im Kloster der Klarissen krank, hilflos und an einer schweren Augenkrankheit leidend, den Sonnengesang, in dem er alle Geschöpfe zum Lob Gottes aufruft. Erschöpft von vielen Leiden, wird Franziskus von Rieti (dort hatte er sich einer schweren Augenoperation unterzogen) nach Siena, Cortona, Nocera und schließlich nach Assisi gebracht. Hier ist er Gast des Bischofs. Kurz vor seinem Tod lässt er sich zu der Kapelle Portiunkula  bringen. Dort hatte er 1209 das Evangelium von der Aussendung der Apostel gehört, das tiefsten Eindruck auf ihn machte. Hier hatte er alljährlich all seine Brüder versammelt, und hier starb er am Abend des 3. Oktober 1226, im Alter von 44 Jahren.

Zwei Jahre später wird er von Papst Gregor IX. heiliggesprochen. Am Tag danach wurde der Grundstein der Grabeskirche S. Francesco gelegt.


II. Elisabeth von Thüringen

Dieser Heiligen ist die erste Kirche im Gasthauskloster geweiht, und ihr Lebensideal prägt bis heute Namen und Leben der Elisabethinnen.

Elisabeth von Thüringen lebt zutiefst aus ihrer ganz besonderen Beziehung zu Gott. Alles, was sie tut und ist, können wir nur verstehen, wenn wir diese Basis ihres Lebens erkennen. „Botin mit dem schnellen Lauf“ haben ihre Mitmenschen sie genannt: ihre Botschaft war das Evangelium von der Liebe Gottes, das wie ein Feuer in ihr brannte. Und mit höchster Intensität hat sie gelebt: alles in den tiefsten Dimensionen erlebt. Ein Beispiel für uns – heute und morgen!

Elisabeth ist mein Vorbild - jeden Tag!

Elisabeth kam 1207 als zweites Kind des ungarischen Königspaares zur Welt. Mit vier Jahren wurde sie aus politischen Interessen mit dem Erbprinzen der Landgrafschaft Thüringen verlobt. Diese Frühverpflanzung war unter den Adeligen damals völlig normal. Der Sinn lag darin, sich an die neue Familie zu gewöhnen und in die Erwartungen hinein zu wachsen, die man an sie stellte. So tritt die Kinderbraut zum ersten Mal in das Licht einer breiten Öffentlichkeit. Alles, was wir von Elisabeth aus den ersten Jahren am Hof des Landgrafen erfahren, deutet darauf hin, dass es eine glückliche Kindheit und frühe Jugend war, die sie inmitten einer großen Kinderschar verbrachte. Eine Jugendfreundin der Prinzessin, Guda, sollte eine der treuesten Gefährtinnen Elisabeths bleiben. Bei jedem Spiel, auch das ist bezeugt, ist der kleine Wirbelwind aus Ungarn voll bei der Sache. Ja, auch Ehrgeiz und eine gewisse Raffinesse waren bei ihr im Spiel. Bezeugt ist aber auch, dass sie auf den sicheren Sieg in einem Spiel oder auf das Vergnügen, mehr als eine Runde, den Reigen zu tanzen, verzichtete. Aus Liebe zu Gott, wie sie erklärte.

hinuntersteigen zu den Ärmsten, so wie Gott es getan hat...

Schon bald zeigte sich, dass die Prinzessin durchaus nicht immer den Erwartungen entsprach, die man ihr gegenüber geltend machte. Beim Kirchgang etwa erschien es ihr unpassend, mit prächtigem Kopfputz vor dem zu erscheinen, der für uns die Dornenkrone getragen hat. Und überhaupt; diese mangelnde Distanz zu den einfachen Dienstboten und die Versuche, da und dort den Armen etwas zukommen zu lassen! Es fehlte nicht an Stimmen, die entschieden der Meinung waren, Elisabeth sei nicht die Richtige für Thüringen, und man solle sie zu ihrem Vater oder ins Kloster schicken. Aber da hatte man die Rechnung ohne den jungen Fürsten Ludwig gemacht; er liebte seine Elisabeth wirklich. Ludwig und Elisabeth heiraten 1221, er 21, sie 14 Jahre alt. Immer hatten sich Elisabeth und Ludwig als Bruder und Schwester angesprochen. Auch jetzt, da die Liebe zu der beherrschenden Macht ihres Zusammenlebens wird, bleiben sie bei dieser Anrede. Ein tiefes Einvernehmen verbindet sich mit dem stürmischen Verlangen nach letzter Gemeinsamkeit. Drei Kinder werden ihnen geschenkt, 1222 Hermann, 1224 Sophie, 1227 Gertrud. Elisabeth wird mit der Heirat Landesherrin. Sie weiß sich in die Pflicht genommen, gründet 1223 zusammen mit Ludwig ein Hospital in Gotha. Aber die Liebe zu Gott lässt sie tiefer schauen und macht sie im wahrsten Sinn des Wortes zur Mutter der Armen. Sie wendet sich den Armen und Kranken zu, so radikal und im Geist des Evangeliums, dass die Großen des Landes sie für töricht und irre hielten. Als sie in den Hungerjahren 1225-1226 in Abwesenheit ihres Mannes die Vorratsspeicher der Hofhaltung öffnete, um möglichst viele Menschen vor dem Hungertod zu bewahren, schlägt ihr der blanke Hass entgegen. Dabei handelt sie klug und besonnen, durchaus im Sinn dessen, was wir heute „Hilfe zur Selbsthilfe“ nennen, von ihrem Gemahl voll und ganz ermächtigt, nach ihrem Gewissen zu handeln.

Elisabeth's Hilfe ist immer dem ganzen Menschen- Leib und Seele -zugewandt

1227 bricht Ludwig zum Kreuzzug auf. Er stirbt schon in Italien. Für Elisabeth bricht eine Welt zusammen. Sie ist zwar nicht rechtlos, aber schutzlos und bekommt jetzt all die Ablehnung und den Hass zu spüren, die sich schon zu Lebzeiten von Ludwig angesammelt haben. Sie kann und will nicht bei Hofe bleiben. Das Doppelleben, das sie als liebende Ehefrau, Mutter und Aristokratin einerseits, und als Asketin und Dienerin der Armen andererseits beanspruchte, war nun endgültig vorbei.

Gott im Menschen dienen: das ist elisabethinisches Leben

Wie Franziskus wollte sie in die Fußstapfen des armen Christus treten: selbständig und überzeugend setzt sie sein Lebensideal in ihrem Dasein um. Mit der Abfindung, die ihr Witwe des Landgrafen zustand, baut sie in Marburg das Franziskushospital. Dort dient sie als Schwester in der Welt mit Hingabe den Kranken. Keine Arbeit ist ihr zu gering, keine Krankheit zu abstoßend und kein Opfer zu schwer. Dazu gehörte auch die Trennung von ihren Kindern, damit diese standesgemäß erzogen werden konnten. So wurde Elisabeth zur Mutter der Armen, zur dienenden Magd. Mag es ihren Gefährtinnen beim Anblick der Schwären und Wunden, die Elisabeth säubert und verbindet, grausen, mag ihnen der Gestank unerträglich sein, ihre „Herrin“ kann mit entwaffnender Schlichtheit bekunden: „Welches Glück für uns, so unseren Herrn baden und zudecken zu dürfen.“ Und immer ist sie von der Vorstellung durchdrungen, dass sie den Menschen Freude und Zuversicht schenken muss: „Seht, ich habe es euch doch gesagt, wir sollen die Menschen froh machen.“

Das Beispiel der heiligen Elisabeth spornt uns, ihre Schwestern, an.

Bei solchem Einsatz brauchte sie ihre Lebenskraft bald auf. Eine Krankheit, wahrscheinlich die Tuberkulose, bringt sie innerhalb von zwölf Tagen zum Sterben. Sie weist die vielen Besucher ab, die ihr Lager umdrängen. Nur ein kleiner Junge, den sie hingebungsvoll gepflegt und von einer schlimmen Hauterkrankung geheilt hatte, durfte an ihrem Bett bleiben. Kurz vor der Morgendämmerung des 17. November 1231 entschlief sie. Ihr Leben war wie ein Lied aufgestiegen zum Lob des einzig Preiswürdigen. Und wie nun die letzte Strophe verklang, war irgendwie klar, dass dieses Lied weiterklingen würde und nicht verstummen durfte.


III. Mutter Apollonia Radermecher

Mutter Apollonia gründet die Elisabethinnen im Alter von 55 Jahren

Am glaubhaftesten ist das Zeugnis, das die Schwestern, die der hl. Elisabeth nacheifern im Dienst an den Armen und Kranken, durch ihr Leben geben. Nur das tatsächliche Leben mit seinen Taten und Leiden kann Wesen und Werk der früh vollendeten Elisabeth von Thüringen präsent halten. Ein solches Leben führte Apollonia Radermecher. Für uns Elisabethinnen ist sie die Stifterpersönlichkeit geworden. An ihren Taten und Worten orientieren wir uns mit unserem Leben und Wirken. Bedeutung hat sie aber auch für ihre Vaterstadt Aachen, deren Bürgermeister ihr den Ehrentitel „Leuchte ihrer Heimatstadt Aachen“ verlieh... bezeichnenderweise erst nach ihrem Tod.

Apollonia Radermecher wurde am 9. September 1571 in Aachen als Tochter von Peter Radermecher und Christine Esch im Rathaus der Kaiserstadt geboren. Am 13. September empfängt sie im Aachener Dom die Taufe. Ihre Verwandten zählten zu den Vornehmsten der Stadt, ihr Vater war hoch angesehener Beamter der Reichsstadt, einer ihrer wohlhabendsten Bürger. Ihr Onkel, der Dominikaner Matthias Esch, war Prediger am Wiener Kaiserhof. Zwei ihrer Brüder wurden Priester, eine ihrer Schwestern die Frau des Bürgermeisters. Apollonia wurde inmitten der konfessionellen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken groß. Da die Familie katholisch bleibt, musste der Vater etwa 1600 auf seine Stellung als „Türwächter des Rathauses“, einer Funktion, die dem des Burgvogtes gleichkam, verzichten. Apollonia kauft 1601 ein Haus in der heute niederländischen Provinz Brabant und bleibt wenigstens elf Jahre in der Stadt s’Hertogenbosch. Dort lebt sie im Kreis von Frauen, die sich aus christlicher Überzeugung der Nächstenliebe widmen.

Schwestern aller Elisabethinnen-Familien in s'Hertogenbosch. Hier arbeitete die junge Apollonia, lange bevor sie an ein Ordensleben dachte. Hier schon diente sie Gott in den Armen und Kranken - wie viele junge Menschen heute. Wohin ihr Weg mit Gott sie führen wird? Uns hat Gott in diese Gemeinschaft geführt!
vor dem Schloß der van Grevenbroek's

Sie arbeitet im Großen Siechenhaus der Stadt und setzt sich für die Armen ein. Zwei Freundinnen aus dieser Zeit sind uns bekannt: Hester della Faille, die später mit ihr nach Aachen ging, und die viel jüngere Leonora van Grevenbroeck, der sie eine mütterliche Freundin war. Auch hatte sie gute Beziehungen zu den Franziskanerinnen im Kloster Marienburg. Unterdessen war der Zustand der Kranken im Städtischen Gasthausspital von Aachen unhaltbar geworden. Die Stadtväter bitten, auf Vermittlung der Jesuiten, Apollonia Radermecher das Amt der Gasthausmeisterin zu übernehmen. Sie nahm am 13. August 1622 diese Berufung an. Ihre ganze Hingabe wurde sofort eingefordert, denn bei der Heiligtumsfahrt des Jahres 1622 hatten Pilger die Pest nach Aachen eingeschleppt. An ihr stirbt ihre beste Stütze und zuverlässigste Hilfskraft, Hester, genau zwei Monate später. Mit viel Eifer und herzlicher Liebe hatte sie sich der Pflege der Kranken gewidmet. Für Apollonia brach nun eine schwere Zeit an; aus Furcht vor Ansteckung verließen die Pflegerinnen bis auf eine namens Judith das Gasthaus. Trotz des großen Verlustes baute Apollonia unerschütterlich das Gasthausspital modern um, während sie die Kranken im Spital am Hof pflegte. An Leonora schreibt sie: „Gott ist getreu und unser Kreuz nicht größer als wir zu tragen vermögen. Menschlicher Trost und Hilfe sind gegenwärtig klein bei uns, weil wir sehr gescheut werden. Aber, für alles sei der ewigen Güte Lob.“ Mit Hilfe ihres Vermögens und ihrer Ersparnisse beseitigte Apollonia die ärgsten Missstände im Gasthaus. Es gab nun zwei Krankenflügel, einen für Männer mit elf Betten, und einen für Frauen mit zwölf Betten. Zwischen beiden befand sich die Kirche, so dass die Kranken am Gottesdienst teilnehmen konnten. Jahrelang bemühte Apollonia sich nun, für das Sankt Elisabeth-Gasthaus Ordensfrauen zu gewinnen, damit die Pflege der Kranken in guten Händen ruhe. Aber ihre Bemühungen hatten keinen Erfolg, denn der Unterhalt der Schwestern war in keiner Weise gesichert.

hellwach Christus entgegengehen,  aus der Stimme der Zeit Gottes Rufen hören: das lehrt uns Mutter Apollonia

Viele, die Apollonia kennen, drängen sie, selbst eine religiöse Gemeinschaft zu gründen, die sich dieser Aufgabe stellt. „In Wahrheit“, schreibt sie an Leonora, „ich kann nicht sagen, mit was für Liebe zu diesem Werk mich Gott bindet und unterhält. Solange es nicht feststeht kann ich nicht davon abstehen. Gebt Rat, herzlich geliebte Schwester, ich werde von allen Seiten bedrängt.“ Unter den Befürwortern der Ordensgründung war der 27 Jahre alte Johannes Nagelmacher, ein Priester der franziskanischen Familie (sein Grab befindet sich in der Franziskaner- und Citykirche St. Nikolaus, Aachen), der Apollonia sehr verbunden war. Er versah von 1623 – 1626 den seelsorglichen Dienst im Gasthaus. Unterstützt von den erfolglosen Bemühungen um Ordensschwestern hatte er Apollonia und ihre Gefährtinnen zu dem Entschluss gebracht, sich gegenseitig Schwester zu nennen und ein Ordensleben zu führen. Apollonia war inzwischen 54 Jahr alt und gesundheitlich geschwächt. Sie sollte eine neue klösterliche Genossenschaft gründen, die Sorge und die Verantwortung für die Krankenpflege tragen, die Leitung der Hauswirtschaft und die Verwaltungsgeschäfte nach der neuen Hospitalordnung von 1622 übernehmen. Sie schreibt: „Ach, wie bang steht mir diese Last anzunehmen an. Wie gut ist unser Vater, möchten wir uns ihm mit Vertrauen überlassen. Was hat dieses Werk in sich, in das Gott mich arme kranke Kreatur, aller Gnaden unwürdig, gestellt hat. Aber, worüber sollen wir uns freuen, als für unseren lieben Herrn etwas zu leiden!“ Leonora van Grevenbroeck berichtet: „Auf den 5. Mai anno 1626 hat Apollonia in der Kirche des Gasthauses den religiösen Habit von der 3. Regel des hl. Franziskus empfangen. Mit Apollonia empfingen zwei Gefährtinnen, Gertrud Bernaerts aus Maastricht und Helene Aerts van Bommel aus s’Hertogenbosch das Ordenskleid aus der Hand des Paters Josef Bergaigne, damals Generalkommissar der Franziskanerobservanten. Apollonia wollte, dass die Armen der Stadt Aachen von Ordensschwestern, aus Liebe zu Gott, liebevoll und getreu bedient und getröstet werden sollen, ohne dazu Mägde und dergleichen zu gebrauchen.“

Elisabethstatue aus dem Gründungskloster, um 1650

So wurde Apollonia Radermecher, 55-jährig, Stifterin der ersten deutschen Hospitalschwestern. Zu ihrer Patronin wählte die Ordensgemeinschaft die hl. Elisabeth von Thüringen. Das Samenkorn war gelegt. Hatte es Mutter Apollonia während ihres ganzen Aufenthaltes im Gasthaus an Sorgen und Widerwärtigkeiten aller Art nicht gefehlt, so war doch ihr kurzes Ordensleben mit Kreuz und Leid geradezu angefüllt. Sie schreibt, es wäre ihr unmöglich gewesen, alles auszuhalten, wenn sie es nicht als den Willen Gottes angesehen hätte. Für Mutter Apollonia sollte diese Prüfung nicht mehr lange dauern. In der Weihnachtsoktav 1626 schreibt sie ihren letzten Brief an Leonora; sie spricht über jedes und alles – wie in einer Vorahnung. Das Übelbefinden, von dem Mutter Apollonia spricht, war der Ausbruch einer schweren Krankheit, die schon nach einigen Tagen den Tod herbeiführte. Auf dem Sterbebett legte Mutter Apollonia die hl. Ordensgelübde ab. Gott vertraute sie den Fortgang des ihr so treuen Gasthauses an; ihren beiden Mitschwestern Gertrud und Helene empfahl sie, die Liebe, die Armut und die Klausur wohl zu bewahren und gab ihnen die Versicherung, alles werde gut gehen, solange sie diese beobachten. Am 31. Dezember 1626 zwischen acht und neun Uhr vormittags ist dann unsere geliebte Mutter Apollonia heimgegangen.

als Apollonia Radermecher stirbt, wird sie von den Aachener Bürgern und ihren Mitschwestern als Heilige verehrt.

Doch ihr Werk lebt fort. Ihr Ziel, dass „die Kranken der Stadt Aachen Tag und Nacht bedient werden sollen“, hatte sie erreicht. Im nächsten April erhielt die kleine Gemeinschaft zwei Postulantinnen, und am 19. August 1627 legten Schwester Gertrud und Schwester Helene die feierliche Ordensprofess ab.

Einige überlieferte Aussprüche Mutter Apollonias:

„Ich wünsche nichts als Gottes Willen.“

„Für alles sei der ewigen Güte Lob.“

„Worüber sollen wir uns freuen, als für unseren lieben Herrn etwas zu leiden.“

„Der Dienst an den Kranken soll allzeit aus Liebe und nicht um Lohn geschehen.“

„Bewahret über alles die Liebe, die Armut und die Klausur.“

„Freut euch, für Gott dieses Werk fortführen zu helfen, mit Fleiß und Eifer. In der Ewigkeit soll es belohnt werden, denn es  war eine sehr notwendige Sache.“

„Der heilige Franziskus und alle seine Kinder müssen für uns beten.“

„Der Lohn für alles wird Gott mit sich selbst sein.“

„Lasst uns Gott loben für seine Gnaden.“

„Große Ursache haben wir, der ewigen Güte Gottes, der wunderbar uns seine Hilfe und seinen Beistand uns ohne alles Verdienst zuwendet, zu danken. Denn fürwahr, die Hilfe durch meines Herrn Gegenwart ist Gnade über Gnade.“

„Möge der Heilige Geist eure Herzen rühren.“

„Dem ewigen, barmherzigen Gott sei Lob in Ewigkeit.“

„Gott ist getreu und unser Kreuz nicht größer als wir zu tragen vermögen.“

„Ich hoffe, dass Gott uns seinen heiligen Willen erkennen lässt. Meine Versprechungen sind nicht nur äußere Worte, sondern im Grunde des Herzens gemeint. Ist unser Vornehmen der Wille Gottes, so wird Gott nicht in sich uneins sein.“

„Die feinen Gegenstände habe ich, um dem Namen des armen Jesus nachzufolgen, verkauft.“

„Wozu Gott den Menschen beruft, dazu gibt Gott auch die Befähigung, inwendige und auswendige Gnaden.“

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