Siegel der Elisabethinnen Aachen
Schriftzug Schwestern der heiligen Elisabeth

Unsere Geschichte – Ursprung und
Entwicklung des Ordens

Darstellung der wechselvollen Geschichte

Innenhof des Aachener Armenspitals mit Blick auf den Hohen Dom

Als am 13. August 1622 Apollonia Radermecher zur Gasthausmeisterin im Aachener Armenspital ernannt wurde, begann in Aachen die organisierte Krankenpflege. Begeistert von dem Gedanken, den Armen um Gottes Willen zu dienen und bewegt von der vorgefundenen Not, die durch die  konfessionellen Kriegswirren verstärkt worden war, setzte sie sich für die Umstrukturierung des Spitals und die Einführung moderner Formen der Pflege ein. Im Mai 1623 konnte sie endlich im neu errichteten ‚Beyart’ den „ersten Kranken aufnehmen, dem sie mit unermüdlicher Liebe gedient hat“.

Ihr schlossen sich schon bald engagierte junge Frauen an, die gemeinsam ein geistliches Leben führen wollten. Am 5. Mai 1626 nahmen sie das Ordenskleid und die Regel des hl. Franziskus an und gaben sich den Namen „Hospitalschwestern von St. Elisabeth“.

Auf dem folgenden Bild finden Sie das Gasthausspital dem gotischen Langhaus des Domes (vorne rechts) gegenüber. Es stellt sich wie eine Kirche dar, denn die Krankensäle lagen direkt am Kirchenraum. Hinter dem Kloster ist der Garten, dessen Erzeugnisse ebenfalls der Versorgung der Kranken zugute kamen.

Von Aachen aus gingen die Elisabethinnen, wie sie im Volksmund bald genannt wurden, nach Düren, Graz und Luxemburg, verzweigten sich weiter und expandierten damit von 1650 – 1850 innerhalb Europas. Die jüngste „Urenkelin“ ist das Mutterhaus in Humboldt (Kanada), das 1911 von Klagenfurt aus gegründet wurde. Diese Neugründungen waren stets sehr bald eigenständige Mutterhäuser, rechtlich und wirtschaftlich autonom, wie Sie im Stammbaum erkennen können.

Gasthauskloster am "Radermarkt", heute Münsterplatz, vom Aachener Dom aus betrachtet. An dieser Stelle steht seit 1910 die Aachener Stadtsparkasse.

Im ersten Gasthauskloster am Radermarkt in Aachen erlebten die jeweils 14 Schwestern (plus vier Laienschwestern oder Konversen), aus denen der Konvent bestand, manche Prüfung und Notlage. 1656 zerstörte der große Aachener Stadtbrand das gerade neu erbaute Spital. Immer wieder gab es Verwicklungen, bedingt durch Auseinandersetzungen zwischen den Schöffen und dem Bürgermeister. Die Rechte der Schwestern und der ihnen anbefohlenen Armen und Kranken wurden mehrfach verletzt und mussten immer wieder neu verfochten werden.

Ein besonders schwerer Einschnitt war die Franzosenherrschaft zwischen 1792 – 1814. So wurde den Schwestern 1798 die Aufnahme von Novizinnen untersagt. 1799 wurde das gesamte Spital – und Klostervermögen beschlagnahmt, enteignet und der neugebildeten Hospizenkommission unterstellt. Im Gegensatz zu den meisten Aachener Ordensgemeinschaften sind wir Elisabethinnen allerdings nicht der allgemeinen Klosteraufhebung zum Opfer gefallen, da sich die „Gasthausschwestern“ der Krankenpflege widmeten. Als das linke Rheinufer 1801 mit der französischen Republik vereinigt wurde, machte man die Schwestern zu Angestellten der Behörde für die Krankenpflege. Das Ordenskleid durften die Schwestern nur noch innerhalb des Klosters tragen. 1810 erlaubte die Regierung erstmalig seit 12 Jahren wieder, das eine junge Frau bei den Elisabethinnen eintrat und Gelübde auf Zeit ablegte.

Ab 1815 wurde Aachen preußisch regiert und 1822 das 200jährige Bestehen unter großem öffentlichen Interesse gefeiert. Von 1838 – 1872 wurde die Gemeinschaft von einer großartigen Oberin geführt, die es schaffte, die Elisabethinnen für die anbrechende, neue Zeit zu wappnen. Aachen entwickelte sich zu einer Stadt, in der die mit der Industrialisierung verbundenen sozialen Probleme neue, große Nöte unter den Menschen aufwarfen. Um darauf zu antworten, war es auch nötig, endlich mehr Schwestern für die Pflege der Kranken zur Verfügung zu haben. Mutter Hyazintha Lequis und 10 Mitschwestern konnten 1855, nach 60 Jahren Unterbrechung, erstmals wieder Ewige Gelübde ablegen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Sitte eingeführt, die Schwestern beim Ordensnamen zu nennen.

Die Ordensgemeinschaft trat auch in ein günstigeres Rechtsverhältnis zur Stadt Aachen: ab Mitte des 19. Jahrhunderts floss das Vermögen der Schwestern nicht mehr automatisch in die Armenkasse, die dann städtisch verwaltet wurde, sondern blieb beim Kloster. Außerdem verzichtete die Stadt auf jegliche Einwirkung hinsichtlich der Zahl der Mitglieder. Damit war die Begrenzung auf 14 Ordensmitglieder gefallen. Nun konnten vom Mutterhaus abhängige Filialen gegründet werden. 

Elisabethkrankenhaus in der Goethestraße

So übernahmen die Elisabethinnen 1855 die Verantwortung für die Pflege der Kranken im neu erbauten Maria-Hilf-Spital, ab 1904 für das Elisabethkrankenhaus in der Goethestraße, dem direkten Vorgänger der Universitätsklinik, um nur zwei große Aachener Einrichtungen zu nennen. Die Zahl der Ordensmitglieder stieg in den nächsten Jahrzehnten auf mehr als 350 Schwestern an. Sie wirkten in Deutschland, Belgien, den Niederlanden. Ebenfalls im Jahre 1904 mussten die Schwestern ihr erstes Mutterhaus räumen. Es war Eigentum der Stadt geblieben, die sich in der modernen Zeit für die Innenstadt etwas Schöneres als ein Armenspital vorstellen konnte. Allerdings sollte es einige Jahre leerstehen, bis sich eine neuer Bauherr und eine andere Nutzung gefunden hatte.

Das zweite Mutterhaus in der Pontstraße

1910 wurde das erste Mutterhaus am Radermarkt wegen Baufälligkeit abgerissen. Das zweite Mutterhaus steht seit 1904 in der Pontstraße, in direkter Nachbarschaft zum Vinzenzspital, wo viele Schwestern die Behinderten und Kranken betreuen. Dort feiert die Ordensgemeinschaft 1922 in einer Nachwuchsblütezeit ihr 300jähriges Bestehen. Als das zweite Mutterhaus räumlich nicht mehr reichte, plante und baute man das dritte Mutterhaus am Preusweg. Im Jahr 1937 siedelten die Schwestern in dieses Haus über. 1941 wurde es von den Nationalsozialisten enteignet und in eine Polizeikaserne für GESTAPO und Waffen-SS umfunktioniert. Innerhalb einer Stunde mussten alle Schwestern das Haus verlassen. Jahrhunderte alte Kunstschätze und Kirchengüter wurden verschleudert, gestohlen und zerstört. Viele Schwestern kamen bei Luftangriffen, z.B. in Aachen und Düren, ums Leben. Viele taten in Lazaretten Dienst an den Verwundeten. Nach dem Krieg fanden die Schwestern zerstörte und geplünderte Häuser vor. Mutig begannen sie in bitterster Armut den Wiederaufbau, teilten Habe und Raum mit Vertriebenen, Verlassenen und Flüchtlingen. Besonders die alten Menschen blieben bei uns.

Schwestern  besuchen  Mutter Apollonia in Krypta unter der Kirche des Mutterhauses und bitten sie, die Anliegen alller vor Gottes Angesicht zu tragen. verschiedene Ordenstrachten - der gleiche Ursprung und Geist: Schwestern aus vielen Elisabethinnenklöstern in der Krypta versammelt zum Dank und zur Bitte, zu Lob und Preis Gottes.

1953 durften wir die sterblichen Überreste unserer Ordensgründerin, Mutter Apollonia Radermecher, in die Krypta unter der Kirche des Mutterhauses überführen. Dort ist sie schon von vielen ihrer Töchter und Schwestern aus allen Himmelsrichtungen besucht und verehrt worden. Hier wissen wir Elisabethinnen uns geborgen mit unserem Ringen um den rechten Weg in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus.  Seither ist auch die lebendige Verbindung zu den verwandten Elisabethinnen in den anderen selbständigen Klöstern (vgl. unseren Stammbaum) unaufhaltsam gewachsen und immer tiefer geworden. 

 

 

Seit dem Ende der 1960ger Jahre müssen viele Filialen wieder aufgelöst werden. Dies betrifft junge, aber auch traditionsreiche Orte unseres Wirkens. Da sich in den letzten 50 Jahren eine geringere Zahl an Frauen für den Ordensberuf entscheidet, sucht die Ordensgemeinschaft nach den Kernaufträgen ihrer Sendung. Die Antwort auf diese Frage finden wir in der Heiligen Schrift und in der Zielsetzung unserer Ordenspatrone, also an den Wurzeln unseres Seins. So erschließen sich heute den Schwestern die alten Arbeitsfelder neu.

Unser Apostolat ist vor allem das Zeugnis des Gott geweihten Lebens,       das von Gott im Verlauf des Lebens der einzelnen Schwester wie der Gemeinschaft in verschiedene Dienste genommen werden kann.

So begriffen die Elisabethinnen in der Folge des II. Vatikanischen Konzils die innere Reform der Ordensgemeinschaft als ihren Auftrag. Die Schwestern bemühen sich, aus den alten Ordensregeln den Geist der Gründung in die neu anbrechende Zeit zu transportieren. Dabei steht die spirituelle Grundlage der Gemeinschaft im Vordergrund.  1982 wurde die erneuerte Regel für den Dritten Orden des heiligen Franziskus, dem wir angehören, genehmigt.  Im Mai 1984 hielten alle Schwestern die neuen Konstitutionen der Schwestern der heiligen Elisabeth in Händen. Die verantwortlichen Schwestern waren bestrebt, die Leitgedanken Mutter Apollonias aufzugreifen und als unabdingbare Wegweisung für das heutige Leben und Wirken unserer Gemeinschaft in die Konstitutionen einzufügen. An uns ist es nun, sie in unserem Leben zu verwirklichen.

immer ist es Gott, der uns im Nächsten anspricht und begegnet.

1995 konnte mit der Ausbildung blinder Kindern in Ungarn ein neues Kapitel in der Ordensgeschichte aufgeschlagen werden. Ein Hinweis? Aus diesem Land stammt Elisabeth, die vor 800 Jahren als Kind nach Deutschland kam und in Thüringen zur Heiligen heranreifte. Die Heilung eines blinden Kindes ist das erste Wunder, das am Grab unserer Mutter Apollonia vor fast 400 Jahren geschehen ist. 2012 gingen die drei ungarischen Schwestern unserer Ordensgmeinschaft durch Aufnahme in die alt-ungarsiche Kongregation der Elisabethinnen - initiert durch Peter Kardinal Erdö - den Weg in die Selbstständigkeit.

So rufen wir, den Blick von der Vergangenheit in die Gegenwart und die Zukunft wendend: „Sohn Davids, hab Erbarmen! Ich möchte wieder sehen können!“  Und seine Antwort lautet, damals wie heute: „Geh! Du sollst wieder sehen. Dein Glaube hat dir geholfen.“ In der Gegenwart sehen wir und folgen Jesus auf seinem Weg (vgl. Mk 10,51 und Lk 18,41) – hin zu den Menschen, denen wir heute Gottes Liebe in Wort und Tat verkünden dürfen. Die Gastfreundschaft im Geiste Christi, der hl. Elisabeth und des hl. Franziskus zu leben, führt uns zu den Menschen und die suchenden und bedürftigen Menschen zu uns ins Kloster. Ja, es entstehen Freundschaften, die leben aus der Begegnung mit Gott im Bruder, in der Schwester. Gerade so teilen wir miteinander das Brot des Lebens,  das uns anvertraut ist, um es weiter zu schenken.

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